30 Tage-Intensiv-Training im Gelände


Tag 1

Hier ein kurzer Überblick meines Plans für die kommenden Trainingseinheiten:

 

  • Ich möchte mit Lui immer wieder Annäherung & Rückzug (A&R) im Gelände reiten. Sprich ich möchte vom Stall wegreiten können, dann wieder in einer Schleife zurück in Richtung Stall, um dann direkt wieder vom Stall wegzureiten usw.
  • Über dieses Konzept möchte ich seinen allgemeinen Mut erhöhen und seine Angewohnheit (zum Stall heim rennen) unterbrechen
  • Während ich diese "Schleifen" reite, möchte ich soweit wie möglich nur am langen Zügel reiten, um ihm in diesem Lernprozess so viel Freiraum wie möglich zu geben 
  • Außerdem ist es mein Ziel, dass ich diese Loops non stop im Trab reite, da ich dadurch öfters in das Konzept Annäherung und Rückzug komme

 

Ziel ist hierbei, dass Lui ...

 

  • lernt nicht nur mutig vom Stall weggehen zu können , sondern dass er auch wieder entspannt nach Hause gehen kann und dies OHNE zu eilen
  • mutig auf die Umwelt und mich + meine Anfragen reagiert
  • bei all dem lernt, bzw. selbst herausfindet, dass er mich stoppen kann und somit wieder nach Hause in die Herde darf, sobald er seinen Muskeltonus (sprich seine Angst) reduziert.
  • sich im Trab und Schritt in einem adäquaten Tempo bewegt
  • aus seiner Giraffen und Hohlkreuzposition in eine gesunde und physiologische Körperposition kommt
  • das hierbei Gelernte in seinen Alltag integriert (langfristiges Ziel).

 

  


BEACHTE:

  • Diejenigen, die nur eine Zusammenfassung des jeweiligen Tages lesen möchten, finden unter der ausführlichen Beschreibung jeweils Gliederungspunkte mit kurzen Stichpunkten ;)
  • Unter den meisten schriftlichen Dokumentationen befinden sich auch kurze Videos, so dass man auch einen kleinen visuellen Eindruck des momentanen Trainingsstands erhalten kann. Da ich zu 95% alleine mit Lui unterwegs war, konnte ich nur aus meiner Perspektive filmen und somit auch nur die Situationen, in denen es nicht zu gefährlich war das Handy in einer Hand zu halten. Somit sind die etwas extremeren Situationen, in denen Lui extrem schnell unterwegs war oder panisch zur Seite gesprungen ist, leider nicht mit auf den Videos.
  • Außerdem möchte ich vorab schon folgendes ansprechen: Mir ist es bewusst, dass ich Lui mit dem folgenden Training aus seiner Komfortzone heraushole, weshalb ich oft das Gefühl hatte, ihn in unangenehme Situationen zu bringen. Mein Ziel ist es, dass er Schritt für Schritt und mit viel Fingerspitzengefühl in die sogenannte "Strechzone" geführt wird und dies ohne, dass er überfordert wird. Ich bin davon überzeugt, dass er dadurch langsam und vor allem dauerhaft zu einem immer mutigeren und selbstbewussteren Pferd wird, welches seines Pferdealltag immer entspannter bewältigen kann.

 

 

Beginn des Projektes:

Habe Ludwig direkt gesattelt und bin ca. 300 m zu Fuß zum benachbarten Wald gelaufen.

Ludwig hat mutig gestartet, im Wald angekommen ist er jedoch direkt stark skeptisch geworden. Beim Atmen hat er laute "schnorchel" Geräusche mit seinen Nüstern gemacht und wenn er den Kopf nach oben genommen hat, hat es mehrmals laut in der Genick Gegend gekracht. Dies passiert bei ihm manchmal, wenn seine Muskulatur komplett verspannt und fest wird.

 

Beim Aufsteigen, bzw. nachdem ich im Sattel saß, wollte er nach 1-2 Sekunden gleich sehr zielstrebig losstürmen. Hier habe ich ihn super höflich wieder gebeten zurückzugehen. Dies musste ich einige Male wiederholen.

 

Es hat ca. 7 Minuten gedauert, bis er einen tiefen Atemzug gemacht hat und anschließend recht mutig für eine kurze Zeit still stehen konnte.

Anschließend ging es gleich im Trab weiter durch den Wald. In den ersten 500 m war er so emotional, dass sich sein Trab fast wie eine Passage angefühlt hat.

Durch die ganze Anspannung (Skepsis) in seinem Körper, konnte er in diesen ersten 500 m 5x nicht die Gangart beibehalten und ist somit zurück in den Schritt gefallen.

 

Begonnen habe ich die heutige Waldtour mit recht kleinen Loops, damit ich dadurch möglich oft Annäherung & Rückzug machen konnte + ich wollte ihn nicht gleich überfordern und ihn somit nicht zu weit vom Stall wegtraben lassen.

 

Lui wurde immer wieder vor allem möglichem (vor allem herumliegende Hölzern) stark skeptisch und hat dann direkt im Anschluss panisch beschleunigt. 

Für mich geht es bei diesem Experiment momentan darum, dass er lediglich die Gangart & Richtung beibehalten kann. Das heißt, ob er sich im Trab wie eine Schnecke vorwärts bewegt oder wie ein Gepard rennt, ist hierbei vorerst völlig egal. 

Wenn Lui somit stark beschleunigt hat, hieß es für mich in seiner vorgegebenen Geschwindigkeit mitzugehen. 

 

Haha... wenn uns einer gesehen hätte ... :D

Lui ist teilweise im Renntrab über die Waldwege gerannt, als gäbe es kein Morgen mehr.

 

Trotz alledem war ich von Anfang an sehr überrascht, dass er sich immer wieder von der Richtung HEIMAT zurückgezogen hat, sprich auf meinen Loops weiter getrabt ist, auch wenn er immer wieder vom Stall WEG abbiegen musste.

 

Aus der Vergangenheit kenne ich das ja schon etwas anders.

Hier ist er oft einfach stehen geblieben und hat sich keinen Millimeter mehr vom Stall entfernen wollen. Bei meinen sehr höflichen Anfragen hat er dann oft mit Steigen oder Ausschlagen reagiert.

Von daher ist das heute am Tag 1 extrem sehr positiv verlaufen, da er nicht in diese alte Angewohnheit zurückgefallen ist.

 

Toll war auch, dass ich zu 99 % am komplett langen Zügel reiten konnte, wobei ich ihm somit natürlich super viel Freiraum lassen konnte.  Selbst wenn ich den Zügel minimal zum Lenken verwenden musste, hat er meist sensibel reagiert. Es sei denn, er musste vom Stall weg abbiegen.

 

 

Nach ca. 30 Minuten war er dann so mutig, dass er auch Richtung Heimat nicht mehr extrem rennen musste. Er war recht zügig unterwegs, jedoch viel weniger emotional (skeptisch/panisch), sprich viel mutiger. Der Kopf/Hals war heute noch meist in einer recht skeptischen, sprich hohen Position kombiniert mit einem leichten Hohlkreuz, aber ich bin mir sicher, dass sich das noch in den kommenden Tagen ändern wird.

 

In dieser kompletten Zeit hat er gegen Ende 2x ausgeschnaubt.

 

Als Ziel hätte ich gerne, dass er von sich aus anfragt, ob er zurück in den Schritt gehen darf. Hiervon waren wir heute jedoch noch sehr weit entfernt. Er wäre sicher noch eine Stunde oder noch einige Zeit länger, einfach so weitergerannt.

 

Als Zwischenschritt wünsche ich mir, dass er so mutig und aufmerksam wird, dass ich ihn mit meinem Körper in den Schritt zurückholen kann. Da aber heute erst Tag 1 war, habe ich ihm ein wenig mit dem Zügel geholfen, um vom Trab letztlich in den Schritt und Halt zu kommen.

 

Hier war Lui dann so innerlich abgelenkt + skeptisch, dass ich 15 Minuten auf ihm saß, bis er wieder "zurück" kam und ich absteigen konnte.

Zum Einen wollte er immer wieder in den Schritt stürmen, um nach Hause zu eilen. Wenn er dann still stand, dann hat er sich immer wieder hektisch nach links und rechts umgedreht & sich 7-8 x halb mit dem Kopf geschüttelt (um seine extreme Anspannung herauszulassen). Nach 10 Minuten hat er endlich mit einem tiefen Atemzug "aufatmen" können, wodurch er sich dann auch die Lippen geleckt hat und sich mehrmals mit dem Kopf am Bein gekratzt hat. Dies sind alles Symptome dafür, dass er Spannung aus seinem Körper genommen hat.

Zudem hat er heute dann so entspannt wie noch nie das Gähnen angefangen, weshalb ich dann abgestiegen bin, um nach Hause zu laufen. 

 

Lui war völlig nassgeschwitzt und ist mit mir so entspannt wie noch nie nach Hause zum Stall zurückgelaufen. Um so näher wir zum Stall kamen, um so langsamer und entspannter wurde er. Auch das war neu...

 

Da war ein erfolgreicher ersten Tag!

 

Freue mich schon auf morgen :)

 

Zusammenfassung:
  • Heutige Trainingszeit: 90 Minuten
  • Lui war direkt sehr emotional, schon als ich mit ihm in den Wald hineingelaufen bin
  • Nach dem Aufsteigen wollte er gleich losstürmen
  • Im Trab ist er erst fast passagiert, dann oft sehr stark gerannt
  • Die komplette Einheit wurde am langen Zügel geritten
  • Gangart hat er 7 x unterbrochen
  • Standpause am Ende viel ihm extrem schwer. Konnte die Beine immer wieder nicht still halten
  • Lui war komplett nass geschwitzt + hatte starken Durchfall
  • Bin nach Hause gelaufen